Zum Abschluss: Widerständiges Sprechen

Jenes wird zum letzten Abend von RealFiktionen von Maxi Obexer und Kathrin Röggla sowie ihrem Gast Lars Studer verhandelt.

Kathrin Röggla, seit Jahren unterwegs an der Schnittstelle von dokumentarischen, sprachkritischen Formen, und Maxi Obexer, die gerade mit „Illegale Helfer“ einen Text über Fluchthelfer auf der Grundlage von Gesprächen vorgelegt hat, die vier europäische Länder umfassen,  gehen der Frage nach, was das Literarische im Text eigentlich genau ist. Was ist ein Text, den sich eine Bühne sowohl als Form, wie als Inhalt erst einmal einverleiben muss, welche Widerstände bleiben erhalten und welche Verantwortung im Zugriff auf Realität entwickelt sich aus diesen Widerständen heraus? Was ist das Verhältnis von realen / fiktiven Figuren, wenn beide im gleichen Text zur Sprache kommen? Wie lassen sich die fiktiven, inszenierten Strukturen unserer Realität abbilden als etwas anderes, etwas zwischen Fiktion und Realität – in der Sprache? Was aber wäre ein Sprechen, das Widerstand leistet?

Hier könnt ihr euch Kathrin Rögglas Film „Die bewegliche Zukunft -Eine Reise ins Risikomanagement“ ansehen.

Zur Hörspielfassung zu Maxi Obexers „Illegale Helfer“.

Schaut auch mal auf die Website des „Neuen Institituts für dramatisches Schreiben“ (Gegründet von Maxi Obexer und Marianna Salzmann), das sich sehr für die Stärkung der dramatischen Kunst einsetzt: http://nids.eu/

Im Gespräch mit Carolin Beutel

Eröffnung

 Heute abend ist das Finale des Symposions RealFiktionen. Die Veranstalterin Carolin Beutel beantwortete mir zu diesem Anlass vorab vier Fragen. Sie schildert, wie es zu RealFiktionen kam, über Hürden und Fortsetzungen.

Von Julia Schiefer


Julia Schiefer (JS): RealFiktionen versammelt namhafte AutorInnen der zeitgenössischen Theaterautoren-Szene auf drei Tagen. Das ist beeindruckend! War es schwierig, das Symposium auf die Beine zu stellen?

Carolin Beutel (CB): Die Konzeption und Organisation von Veranstaltungsreihen bedeutet an sich viel Arbeit und einen hohen Zeitaufwand. Thomas Köck und ich haben im Vorfeld viel diskutiert und versucht ein interessantes Projekt auf die Beine zu stellen, das Fragen aufwirft, die auch nicht immer beantwortet werden müssen; das vor allem Diskussion anregen soll. Daraufhin haben wir unsere Ideen zusammengebracht, ein Konzept ausgearbeitet (wieder Zeit, wieder Arbeit, aber vorallem ein Luxus, es als Arbeit bezeichnen zu dürfen). Mit dem Konzept haben wir AutorInnen angeschrieben, von denen wir dachten, dass sie Teil dieser Diskussion seien könnten und waren dabei erfolgreich – scheinbar gab es Gesprächsbedarf und den Wunsch sich mit anderen AutorInnen, Thomas und mir und vor allem der Öffentlichkeit auszutauschen.

JS: Dem Symposium ist bereits ein Workshop vorangegangen, es gab also schon eine längere Vorlaufzeit für die Veranstaltungen. Aber was war genau der Aufhänger, wie ist die Idee entstanden?

CB: Thomas und ich waren beide der Meinung: Zeitgenössische Theatertexte sind ihnaltlich und sprachlich unglaublich vielfältig, zuweilen höchst aktuell und lesenswert – aber warum wird außerhalb des Theaterkontextes kaum über sie geredet? Warum werden sie nicht gedruckt, warum mangelt es an Rezeption, z.B. in der Literatur- und Theaterwissenschaft und vor allem im Literarurbetrieb? Gehört der Theatertext nicht dazu und falls ja, warum? Eigentlich sehr simple Fragen. Und nun lassen sich weitere Fragen stellen: Warum nicht den Theatertext in seiner Vielfalt präsentieren und das nicht im Theater, sondern im Literaturhaus? Denn warum gehört er weniger an diesen Ort, als andere literarische Texte. Und wenn man ihn an diesen – scheinbar fremden Ort holt – was passiert dann?

JS: Du und Thomas Köck spannen einen großen Bogen in dem Festival. Es soll um Text gehen, um den Autor und die Autorschaft. Das heutige Theater entwickelt sich tendenziell in die Richtung, den Autoren als „Dienstleister“ wie es Kathrin Röggla formuliert hat, wahrzunehmen. Desweiteren verhandelt ihr das Spannungsfeld zwischen Realität und Fiktion und was Sprache dabei leisten kann bzw. welchen Widerstand sie bieten kann. Meine Frage ist: Was könnte das Symposium deiner Meinung nach zu einem öffentlichen Diskurs beitragen?

CB: Sehr viel, wie ich denke, gerade weil die verhandelten Themen relevant und aktuell sind, sie aber zusätzlich in einem „neuen“ Kontext verhandelt werden. Der Vorabbericht unseres Workshops wurde und wird beispielsweise noch immer rege diskutiert und auch nach den Veranstaltungen ergaben sich stets neue Gespräche.

JS: Das Festival ist ein offener Prozess, wie du sagst, ist bei weitem noch nicht alles geklärt und gerade deswegen besteht Gesprächsbedarf. Hast du schon über eine Fortsetzung nachgedacht?

CB: Natürlich. Davon abgesehen, dass es eine Frage der Förderung ist, ist meine persönliche Bereitschaft groß, den Versuch zu unternehmen RealFiktionen in irgendeiner Form fortzusetzen. Hinter uns lagen interessante Veranstaltungen und überraschende Projekte und ich bin gespannt, was uns heute Abend erwartet. Zusätzlich ist es toll zu sehen, wie viele BesucherInnen kommen, sodass uns an den vergangenen Abenden die Stühle ausgegangen sind. Wenn Interesse von Seiten der Öffentlichkeit und der AutorInnen da ist, warum nicht weitermachen?

Romane auf der Bühne

Romanadaptionen als Alternative / Erweiterung / Herausforderung / Publikumsfänger für das Theater?

Diese Frage stellt sich heute Abend bei dem Arbeitsgespräch zwischen Olga Grjasnowa („Die juristische Unschärfe einer Ehe“) und Deniz Utlu („Die Ungehaltenen“), deren Romane gerade für die Bühne bearbeitet werden, und den Regisseuren Nurkan Erpulat und Hakan Savaş Mican Texte auf die Bühne bringen werden. Wie verfährt man mit Romanen im Theater? Welche Möglichkeiten gibt es, welche Anforderungen, welche Realität strukturiert einen Roman und wie kommt diese auf der Bühne rüber? Und wer hat eigentlich die wichtigste Szene gestrichen?

Vorgeschmack auf die Texte?

Olga Grjasnowas „Die juristische Unschärfe einer Ehe“

Deniz Utlus „Die Ungehaltenen“